Audi RS e-tron GT: Der 646 PS starke Elektro-Porsche aus Ingolstadt

Der Porsche Taycan ist bereits im zweiten Jahr und man ist stolz auf die Verkaufszahlen. Audi ist deshalb ein bisschen spät dran, doch die längere Entwicklungszeit soll sich gelohnt haben. Mit dem Audi RS e-tron GT und dem GT quattro präsentieren die Ingolstädter nun ihre Interpretation des Elektro-Themas.

Beide bauen sie auf der in Stuttgart für den Taycan entwickelten J1-Plattform auf. Sie gleichen sich technisch deshalb 1:1 mit ihren Brüdern aus Stuttgart. Motoren, Fahrwerk, Unterboden inklusive der Batterien und Ladetechnik stammen also aus dem Taycan – wenn auch mit etwas anderer Abstimmung.

Einerseits soll das mit einer etwas anderen Zielgruppe erklärt werden, andererseits soll wohl auch ein Respektabstand auf Porsche gewahrt werden. Mit 646 PS Spitzenleistung und 830 Nm maximalem Drehmoment tischt der Audi RS e-tron GT aber trotzdem reichlich auf. Er beschleunigt damit in 3,3 Sekunden auf 100 km/h und wird bei 250 km/h eingebremst.

Weitere, spannende Stromer

Der kleinere e-tron GT quattro lässt es bei 530 PS bewenden und bringt 640 Nm auf alle vier Räder. Seine Sprinterqualitäten reichen für 4,1 Sekunden und 245 km/h. Doch es geht gar nicht so sehr um das Rasen, sondern viel mehr um das Reisen, so Audi. Deshalb wurde bei beiden e-tron GT Wert auf größtmöglichen Komfort gelegt.

Besonders im Interieur geht es deshalb entsprechend edel zu. Und völlig anders als im kühl und klar gezeichneten Taycan. Der Audi RS e-tron GT empfängt seine Insassen stattdessen mit beinahe skulptural geformten Carbonlandschaften. Bei Bedarf übrigens völlig lederfrei.

Dann gibt es hochwertiges Kunstleder, eine Alcantara-ähnliche Dinamica-Faser oder Kaskadenstoff, der an Naturfasern wie Wolle erinnert. Auch die Recycling-Quote liegt hoch, selbst im Sichtbereich kommen wiederverwendete PET-Fasern zum Einsatz. Dass der Audi RS e-tron GT dennoch nicht nach Mehrweg-Plastikflasche aussieht liegt am Design von Marc Lichte.

Der Chefdesigner hat keinen Aufwand gescheut um sein Elektro-Baby vom Stuttgarter Trendsetter zu unterscheiden. Artig bedankt er sich im Interview für die großartigen Proportionen, die überhaupt erst ein emotionales Design ermöglichen. Und in der Tat: der Audi RS e-tron GT sieht nicht aus wie ein Abziehbild des Taycan.

Im Gegenteil. Gerade das Heck mit den mächtig breiten Backen ist mehr als eigenständig. Hier lässt sich klar die Audi-Familienzugehörigkeit erkennen. Die Front wirkt ebenfalls erfreulich selbstbewusst.

Ohne grobe Überzeichnungen ist der Mannschaft aus Ingolstadt ein überzeugendes Erstlingswerk gelungen. Der Lohn der Mühe kommt sogar doppelt, nicht nur ästhetisch, sondern auch technisch. Denn die Karosserie scheint sehr windschlüpfrig zu sein.

Anders ist nämlich die im Vergleich zum Porsche erhöhte Reichweite kaum zu erklären. Zwar kommt die energiesparende Wärmepumpe für das Interieur im Audi serienmäßig, dennoch liegt der Verbrauch des Audi RS e-tron GT niedriger als der des Taycan Turbo. Auch der e-tron GT quattro schlägt den Taycan 4S mit Wärmepumpe mit 488 km zu 464 km laut Norm.

Auch im Preis werden die beiden Audi etwas tiefer liegen. In Deutschland startet Ingolstadt etwa zehn Prozent billiger. Soll heißen: 138.200 Euro für den Audi RS e-tron GT statt 153.016 Euro für den Taycan Turbo.

Der e-tron GT quattro startet bei 99.800 Euro. Beide Modelle rollen im Mai 2021 zu den Händlern. Da darf sich dann ein jeder davon überzeugen, welcher J1-Elektriker der richtige ist.

Galerie Audi e-tron GT

Galerie Audi RS e-tron GT