Der Andersmacher: Renault Mégane Grandtour E-Tech Plugin 160 im Test

Seit über acht Jahren ist der Renault ZOE nun auf dem Markt. Die Beliebtheit ist ungebrochen, teils führt sie sogar die Verkaufshitlisten der E-Fahrzeuge an. Umso überraschender, dass sich die Franzosen mit den Hybriden relativ lange Zeit gelassen haben. Der Renault Mégane Grandtour E-Tech Plugin 160 ist nun der erste Wurf eines E-unterstützten Golfklasse-Kombis.

Dabei legt Renault Wert darauf, dass man den Antrieb nicht vom Verbrenner her gedacht hat. Stattdessen hat die ZOE-Erfahrung gezeigt, dass man in Sachen Effizienz nur gewinnt, wenn der Elektromotor im Mittelpunkt steht. Der Renault Mégane Grandtour E-Tech Plugin 160 macht deshalb vieles anders als seine Konkurrenten.

Design, Platz & Komfort

Vor fünf Jahren wurde die Grandtour-Kombivariante des Renault Mégane IV auf dem Genfer Auto-Salon vorgestellt. Mit dem Facelift im vergangenen Jahr kam die E-Tech-Variante hinzu, während die optischen Änderungen nur Kosmetik blieben. Denn schon in seiner Grundform ist der Mégane ein sehr gefälliges Auto. Neue Leuchten, frisches Felgendesign und überarbeitete Stoßfänger runden das Facelift ab.

Weitere Plugin-Modelle

Im Interieur bietet der Renault Mégane Grandtour E-Tech Plugin 160 Raum für die ganze Familie. Hund, Kindersitz und Gepäck passen locker herein, wenn auch der Boden im Kofferraum batteriebedingt schrumpft. Immerhin bleiben 389 Liter übrig, umgeklappt sind es 1372 Liter.

Deutlich besser schlägt er sich beim Ambiente. Die Materialien sind hochwertig, die Verarbeitung ausgezeichnet und das Arrangement der Bedienelemente gut gelöst. Überhaupt überzeugt das Konzept mit dem aufrechtstehenden Monitor, der jederzeit guten Überblick über Navi, Radio und Telefon gibt. Hier punktet der Renault besser als manch vermeintlich modernerer Konkurrent.

Technische Highlights

Der echte Fortschritt steckt beim Renault Mégane Grandtour E-Tech Plugin 160 indes nicht im Digitalen, sondern im Verborgenen. Herzstück des Antriebes ist das Klauengetriebe, an das der Verbrenner und zwei Elektromotoren angeflanscht sind. Das Getriebe verfügt über vier Gänge für den Benziner und zwei für den einen Elektromotor. Der andere wird nur zum Starten des Benziners und zur Energierückgewinnung genutzt.

Mit diesem „Multi-Mode-Getriebe kann der Renault Mégane Grandtour E-Tech Plugin 160 in diversen Betriebsarten fahren. Denn neben dem rein elektrischen Fahren gibt es drei weitere Möglichkeiten. Einmal arbeitet der Verbrenner seriell, also nur stromerzeugend für den Elektromotor, dann wieder parallel. Aber er kann nicht nur unterstützend eingreifen, er kann die Arbeit auch ganz übernehmen.

Der Fokus des 158 PS starken und 205 Nm kräftigen Systems lag vor allem auf der Effizienz. Dass die Batterie mit 9,8 kWh Fassungsvermögen verhältnismäßig klein ausfällt, stört im Alltag nicht. Der Renault Mégane Grandtour E-Tech Plugin 160 ist trotzdem gut 50 Kilometer flüsterleise unterwegs.

Wie fährt der Renault Mégane Grandtour E-Tech Plugin 160?

Vor allem aber ist deutlich kräftiger, als es ein Blick auf den Datenkasten vermuten lässt. Denn die 92 PS und 144Nm des kleinen 1600er-Saugmotors zählen nach alter Währung nicht mehr viel. Stattdessen werden sie auf der Kraftwoge des Elektromotors mitgerissen, die den weißen Kombi erstaunlich souverän wirken lässt.

Zwar sind beim Beschleunigen auf der Autobahn ab und an kleine Drehmomentlücken spürbar, doch im Allgemeinen überzeugt der clevere Antrieb. Vor allem an der Tankstelle. Denn in der Realität zeigt der Bordcomputer auch auf der Langstrecke gerne Werte mit einer vier vor dem Komma. Und das ist angesichts der Fahrzeuggröße ein wirklich guter Wert.

Vor allem ist der Renault Mégane Grandtour E-Tech Plugin 160 ein wirklich guter Kompromiss für Langstreckenfahrer. Er lässt den Verbrenner stets im optimalen Fenster laufen, erfreut in der Stadt mit Lautlosigkeit und ist trotzdem schnell nachtankbar.

Fazit:

Man darf den Plug-in-Hybriden nicht per se das Talent absprechen. Der Renault Mégane Grandtour E-Tech Plugin 160 zeigt das eindrucksvoll. Wer nur Kurzstrecken pendelt ist mit ihm ebenso zufrieden wie der Langstreckenpilot. Selbst der Familienvater, der es gerne mal sportlich will, wird abgeholt.

Denn die Fahrwerksabstimmung ist den Franzosen sehr gut gelungen. Feines Feedback, gute Kontrolle über die Karosserie und tolle Traktion. Aber auch das gehört zur Effizienz: ohne zu bremsen durch die Kurven flitzen können.

Technische Daten:
Modell: Renault Mégane Grandtour E-Tech Plugin 160
Motor: Vierzylinder-Reihe, 1.598ccm
Leistung: 92 PS (68 kW)
Drehmoment: 144 Nm bei 3.200 U/min
1. Elektromotor: Multi-Mode-Elektroantrieb
Leistung: 67 PS (49 kW)
2. Elektromotor: Hochvolt-Startergenerator
Leistung: 34 PS (25 kW)
Systemleistung: 158 PS (116 kW)
Systemdrehmoment: 205 Nm
Batterie: Lithium-Ionen
Kapazität: 9,8 kWh (brutto)
Antrieb: Frontantrieb, Multi-Mode-Automatikgetriebe
Verbrauch (WLTP): 1,4 l Benzin/100km
Testverbrauch: 4,8 l Benzin/100km
Testverbrauch: 21 kWh/100km
Beschleunigung (0 – 100km/h): 9,8 sek.
Höchstgeschwindigkeit: 183 km/h (elektrisch: 135 km/h)
Abmessungen (L/B/H): 4,62 m/1,81 m/1,45 m
Gewicht: 1.678 kg
Grundpreis: 36.252,44 Euro
Testwagenpreis: 43.651,08 Euro (qualifiziert für Umweltbonus)

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