Mit Folgen: Musk verkündet das Aus für den Tesla Model S Plaid+

Gibt es eine Steigerung eines Superlativs? Eigentlich nicht. Doch Elon Musk stören solche Kleinigkeiten natürlich nicht und daher kündigte er im Februar neben dem Plaid als neues Topmodell der Model S-Baureihe noch eine Steigerung an – den Plaid+. Vier Monate später ist diese Ankündigung schon wieder Geschichte. Per Tweet verkündete Musk am 7. Juni: „Plaid+ is canceled. No need as Plaid is just so good.“

Damit verabschiedet sich der Elektro-Auto-Visionär vorläufig aus dem Rennen um das reichweitenstärkste Serienelektroauto. Also „nur“ 1.020 PS statt über 1.100 PS und „nur“ 628 km statt 835 km Reichweite bietet jetzt das aktuelle Spitzenmodell ohne Pluszeichen. Bei diesen Werten könnte man Musk eigentlich zustimmen, mehr braucht man im automobilen Alltag wirklich nicht. Doch die Streichung des super Superlativs hat neben einigen enttäuschten Kunden noch weitere Folgen:

Neue Batterie, alte Probleme: Es verzögert sich mal wieder alles

Im Plaid+ hätte nämlich erstmals eine neue Generation von Akku-Modulen verbaut werden sollen, die später auch in allen anderen Baureihen zum Einsatz kommen soll. Dieser strukturelle Akku wurde während des Battery Day 2020 angekündigt und besteht aus 4.680 Lithium-Ionen Zellen. Er kann fünfmal mehr Energie speichern und erfüllt damit gleich mehrere Wünsche von Kunden und Entwicklern: Bei gleicher Batterie-Größe steigen Reichweite und Leistung, aber auch eine schnellere Energieaufnahme beim Laden ist möglich.

Darüber hinaus können die Rundzellen auf eine neue Art und Weise innerhalb des Autos gepackt werden. Dies will Tesla nutzen, um die Akkus besser in die Fahrzeugstruktur zu integrieren. Auch hier mit dem klaren Ziel: Gewichtsreduktion zur Reichweitensteigerung. Aber auch die Controller hätten sich über den schnellen und breitflächigen Einsatz dieses Akkus gefreut: In der Produktion sinken die Kosten, da weniger Zellen produziert werden müssen. Aber auch der Materialmix der Zellen soll sich verändern: An der Anode wird statt Grafit Silikon verwendet und die Kathode soll ohne Kobalt auskommen – hier dankt die Umwelt.

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Unklar: Wann können die 4680er Zellen in großer Stückzahl produziert werden?

Wie ist also das Aus des Plaid+ zu bewerten? Bereits im Herbst 2020 schränkte Musk ein, dass die effiziente Serienproduktion der 4680er Zellen schwierig sei. Entwicklungspartner Panasonic wird da noch konkreter: Vor Ende 2022 ist eine Produktion in Großserie eigentlich nicht möglich. Das würde auch die Tesla Gigafactory in Berlin treffen, denn an diesem Standort soll die Batterie auch produziert und verbaut werden. Aktuell fressen Entwicklung und Testproduktion hohe Investitionssummen in der Tesla-Panasonic Allianz. Der verzögerte Einsatz der neuen Batterie Technologie schwächt darüber hinaus nicht nur die Attraktivität der aktuellen Modelle, sondern verzögert auch den Anlauf zukünftiger Baureihen. In Kombination mit den eingebrochenen Verkaufszahlen speziell beim Volumen-Modell Tesla 3 und dem immer stärker werdenden Wettbewerb, könnte es für Elon Musk eine heiße zweite Jahreshälfte werden.

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